Kleines Lexikon der orthopädischen Schuhtechnik

Ϫ Absatz

Der hintere Bereich von Schuhen erleichtert bei normaler Höhe (ca. 3 - 4 cm) den Abrollvorgang beim Gehen. Höhere Absatzformen überlasten den Vorfuß, die Spreizfussbildung wird begünstigt und eine schmerzhafte Metatarsalgie ist das Ergebnis.

Auf der Absatzkante erfolgt die erste Phase beim Abrollen. Dadurch wird dieser am stärksten abgenutzt. Das Material muss abriebfest sein. Dennoch ist der Absatz der Schuhteil, welcher am häufigsten gewechselt werden muss. Bei zu weitem Ablaufen wird der Schuh vertreten.

Ϫ Badeschuh (orthopädischer)

spezieller, wasserresistenter orthopädischer Maßschuh - geeignet für Personen mit beachtlichen Fuß- & Beindeformitäten (z.B. Beinlängendifferenzen), die auch am Wassersport teilnehmen möchten.

Ϫ Ballenbildung

Gemeint im Volksmund, ist der innere Bereich des Mittelfußes, wo die Großzehe durch ein Gelenk an den Mittelfuß ansetzt. Die übergroße Ausbildung wird meist durch Tragen von zu spitzem und engem Schuhwerk erworben, weil dadurch die Großzehe aus ihrer normalen Lage gedrückt wird und in dieser Form künstlich versteift.

Ϫ Einbinden

Hierbei handelt es sich um eine traditionelle Befestigungsart, um das Schuhoberteil (Schaft) mit dem Schuhboden (Sohle) mittelseines Pechdrahtes fest und elastisch zu verbinden. Im Gegenteil zur heutigen Klebetechnik, wobei beachtliche Lederanteile versiegelt werden, bleiben die Poren frei und das Leder bleibt atmungsaktiv.

Ϫ Elektronische Fußdruckmessung

Die Druckverteilung auf der Fußsohle, sowohl im Stand, als auch in der Bewegung, wird elektronisch gemessen und Druckspitzen grafisch sichtbar gemacht, um so Fußsohlenprobleme mit Hilfe der Computertechnik zu kompensieren.

Ϫ Fersensporn

Schmerzhafte Beschwerde im Rückfußbereich. Die am Fersenbein ansetzende kurze Fußmuskulatur hat sich durch Tragen von unzweckmäßigem Schuhwerk (meist fehlende Längsgewölbestütze) entzündet. Schmerzlindernde Spritzen sind nur kurzzeitig wirksam - der Schuh muss mit Längsgewölbestütze und Entlastung des Spornbereichs zugerichtet werden.

Ϫ Fußabdruck

Konventioneller Blauabdruck zur Feststellung des Fußumrisses und zur Erkennung von Fußsohlendeformitäten. Der Orthopädie - Schuhtechniker erkennt hier die verschiedensten Fußprobleme. Der Fußabdruck ist somit die Arbeitsgrundlage für Einlagen und Maßschuhe.

Ϫ Fußbett

Es handelt sich um die innere Auftrittsfläche eines jeden Schuhs. Bereits ein altes Sprichwort sagt: "Wie man sich bettet, so liegt man!" Dieses trifft beim Schuh ebenso zu: - wie man den Fuß bettet, so geht man!- Die Füße sind nur lange unbeschwert belastbar, wenn ihnen ein bequemes "Fußbett" geboten wird.

Ϫ Gelenkfeder

Damit der Schuh seine Form behält und somit den Tragekomfort sichert, wird in den Schuhboden im Rückfußbereich eine Metallgelenkfeder

eingearbeitet.

Ϫ Gipsabdruck

Dreidimensionaler Fußabdruck als Grundlage zur Herstellung von Fußbettungen oder Orthopädischen Maßschuhen bei schwierigen Versorgungen, um optimal Fußprobleme kompensieren zu können.

Ϫ Längsgewölbe

Fußgewölbe im inneren Rückfußbereich - ist bei den meisten Menschen nicht mehr anatomisch optimal vorhanden. Ein abgeflachtes oder gar fehlendes Längsgewölbe ist häufige Grundlage für Fuß-, Knie-, Hüft- und sogar Wirbelsäulenbeschwerden. Längsgewölbestützen im Schuh oder Einlage kommen als Korrektur zur Anwendung.

Ϫ Leisten

Er ist die detaillierte Nachbildung eines Fußes mit Spitzenzugabe, bestehend aus Holz oder Kunststoff, als Grundlage zur Herstellung von Fußbettungen und Schuhen aller Art.

Ϫ Maßeinlage

Hier handelt es sich um eine individuell gefertigte Schuheinlage, die vor allem das Längsgewölbe stützen soll. Auch das häufig abgesenkte vordere Quergewölbe wird gleichzeitig mittels einer Pelotte gestützt, um die Fußsohle im Mittelfußbereich zu entlasten. Auch der auftretende schmerzhafte Fersensporn im Rückfuß, kann durch eine entsprechende Ausarbeitung entlastet werden.

Die Maßeinlage erfordert meist einen "einlagetauglichen" Schuh, wenn sie ihre Wirkung voll entfalten soll. Einen alten Schuh, mit dem man sich Fußprobleme zugezogen hat, kann man nicht durch eine Maßeinlage zum optimalen Superschuh machen, die Probleme werden eher schlechter!

Ϫ Orthopädischer Hausschuh

Er entspricht im Wesentlichen dem orthopädischen Straßenschuh. Da erhebliche Zeiten im Haus verbracht werden, erhält der Träger von orthopädischen Straßenschuhen ebenfalls den orthop. Hausschuh. Der orth. Hausschuh ist im allgemeinen auch eine Lederausführung, da er vier Jahre halten muss. Er wird allerdings durch entsprechende Materialauswahl spezifisch leichter.

Ϫ Orthopädischer Maßschuh (Straßenschuh)

Hier handelt es sich um ein medizinisches Hilfsmittel, um teilweise multiple Fuß- und Beindeformitäten zu versorgen, die mit Veränderungen (Zurichtungen) am Konfektionsschuh nicht kompensiert werden können. Jeder orthopädische Maßschuh wird individuell angemessen und in Einzelfertigung hergestellt und passt nur einem Menschen. Soweit es versorgungstechnische und medizinische Anforderungen zulassen, werden Optik und moderne ästhetische Gesichtspunkte berücksichtigt.

Ϫ Pechdraht

Dabei handelt es sich um kein Metallprodukt, sondern einen flexiblen, und sehr zugfesten Faden, der aus mehreren Lagen Hanfgarn (Anzahl je nach Bedarf) besteht, der mit Pech versetzt und damit gegen Feuchtigkeit resistent gemacht wird.

Ϫ Pelotte

Eine Stütze im mittleren Fußbereich, die die Aufgabe hat, das meist abgeflachte vordere Quergewölbe anzuheben, um die häufigen "Druckstellen unter den Mittelfußköpfchen" zu entlasten. Sie wird sowohl kombiniert in Einlagen als auch separat in den Konfektionsschuh eingearbeitet.

Ϫ Quergewölbe

Die Mittelfußknochen beim anatomisch gesunden Fuß, bilden das Quergewölbe, sind aber selten am Fuß zu finden. Dadurch gibt es die allgemeine "Volkskrankheit" Spreizfuß - das Quergewölbe ist also gespreizt, liegt flach auf dem Boden und es kommt zu den unbeliebten Druckstellen auf der Fußsohle. Zur Entlastung dient die Pelotte und beim fortgeschrittenen entzündeten Spreizfuß eine Weichpolsterung.

Ϫ Schaft

Es ist der obere Teil des Schuhs, der den Fuß umfasst. Er besteht meist aus tierischer gegerbter Haut, also Leder. Vorteile: Durch die Poren besteht Atmungsaktivität im Schuh. Damit der fertige Schuh dem Fuß Halt bietet und seine Form behält, werden versteifende Elemente(Kappen)- auch Leder - in den Schaft eingearbeitet. Empfindliche Fußbereiche werden durch individuelle Schaftpolster entlastet.

Ϫ Schuhboden

Unterteil des Schuhs, also Brand- und Laufsohle, sowie Gelenk und Absatz. Als Besonderheit wären die Kappen zu erwähnen, die zwar in den Schaf kommen aber zur Bodenarbeit gehören.

Ϫ Schuherhöhung

Ein Schuh wird im Absatz- und Sohlenbereich erhöht, um eine Beinlängendifferenz, meist bis 3 cm, auszugleichen. Das Material ist meist Porokrepp, da es spezifisch leicht ist und formstabil bleibt.

Ϫ Schuhzurichtung

Medizinische Maßnahme, einen Konfektionsschuh individuell auf Grund kleiner und mittlere Fußdeformitäten zu verändern. Dazu gehören die Einarbeitung von Senkfußstützen, Spreizfußpelotten (Pelotte), Angleichung von Beinlängenausgleichen (Verkürzungen), Anbringen von verschiedenartigen Rollen, Sohlen- und Absatzveränderungen oder Änderungen im Schaftbereich (Polster oder Änderung der Verschlussart wie z.B. Kletten).

Ϫ Sohlenranderhöhung

Mit dieser orthopädischen Schuhzurichtung wird die Innen- oder Außenseite eines Schuhs einseitig durch einen Keil angehoben, um einen Schiefstand (umknicken) zu korrigieren.

Ϫ Sporteinlage

Spezielle Einlage für Sportschuhe. Die Wirkungsweise ist entlastend und dämpfend und soll spezielle Fußprobleme bei den unterschiedlichsten Sportarten verkraften helfen.

Ϫ Stimmgabeltest

Mit den Schwingungen der Stimmgabel wird bei Durchblutungsstörungen, speziell am diabetischen Fuß, dass noch vorhandene Gefühl ermittelt.

Ϫ Zwicken

Das Zwicken ist einer der wichtigsten Arbeitsgänge bei der Herstellung eines Schuhs. Mittels einer Spezialzange (Zwickzange) wird mit einigen hundert "Zügen" der Schaft straff und faltenlos um den Leisten "gelegt" und mit Nägeln fixiert, wobei der Schaft seine Schuhform annimmt.