Die Entstehung eines orthopädischen Schuhs

Wie entsteht ein orthopädischer Schuh?

Der orthopädische Schuh ist nicht nur eine Fuß- und Beinbekleidung und auch kein Modeartikel, sondern ein medizinisches Hilfsmittel, um Fuß- und Beindeformitäten zu kompensieren, wenn es keine anderen schuhtechnischen und medizinischen Maßnahmen mehr gibt, einem Bürger die Gehfähigkeit zu erhalten. Wir als Orthopädie-Schuhtechniker haben nun die verantwortungsvolle Aufgabe, individuell, nach jedem Bedarf, dieses Produkt in aufwendiger handwerklicher Arbeit zu erstellen.

Grundlagen für den orthopädischen Schuh

Bei einer Erstanfertigung wird zunächst eine Trittspur (Blauabdruck) erstellt. Die Fußmaße werden notiert, sowie besondere Fußdeformitäten vermerkt und gekennzeichnet. Bei schweren Fußdeformitiäten ist ein Gipsabdruck erforderlich, um so detailgenau einen Leisten herstellen zu können. Dieser Fuß - Gipsabdruck dient in einer Leistenfabrik als Vorlage für einen Rohleisten. Der Orthopädie-Schuhmachermeister arbeitet diesen Leisten- Rohling noch genau nach, um dann als erstes eine Fußbettung herzustellen zu können. Als Materialien kommen möglichst Naturstoffe wie Kork und Leder zur Anwendung. Polstermaterialien sind Kunststoffe wie Schwamm und Schaumstoff.

Der Probeschuh

Um zu sehen, ob die bisherigen Arbeiten auch passgerecht werden, wird ein Probeschuh hergestellt, um bei Fehlern später nicht den ganzen Schuh verwerfen zu müssen. Der Probeschuh wird aus durchsichtigem Plastplatten mittels einer Vakuum-Tiefziehpresse hergestellt. Bei der Zwischenprobe ist nun genau erkennbar, wie der Fuß später im Schuh sitzt. Mögliche Mängel können jetzt noch relativ einfach korrigiert werden. Ist diese Probe zur Zufriedenheit verlaufen, wird mit dem Patienten über die Schuhform, Lederfarbe, Sohlenmaterial, Absatzform, Schaftart , Verschlussart usw. gesprochen. Schuhvorlagen, Fotos und Prospektmaterial helfen bei der Entscheidung.

Schaftmodellierung

Nach diesen Vorstellungen, wird nun ein Schaftmodell (Schaft) aus Papier entworfen. Danach werden die Oberlederteile zugeschnitten und zum Zusammennähen (Steppen)vorbereitet.

Bodenbau

Der fertige Schaft wird von einem Orthopädie-Schuhmachergesellen zum fertigen orthopädischen Schuh weiterverarbeitet. In den Schaft kommen versteifende Elemente, die Hinter- und Vorderkappe, auch Schaftpolster kommen bei Bedarf zur Anwendung. Der vorbereitete Schaft wird über den Leisten geformt (gezwickt) und mit einer Brandsohle fest verbunden. Die Verklebung ist heute die häufigste Befestigungsart. Nach der Einbringung der Gelenkfedern, Auflegen der Laufsohlen und Anbringung der Absätze, wird der Schuh durch Verschleifen endgefertigt (ausgeputzt).

Das Endprodukt

Da die Kappen im nassen Zustand verarbeitet werden, lässt man den Schuh noch einige Tage auf dem Leisten trocknen, bis er an den Kunden ausgeliefert wird. Bei einer Nachfolgeversorgung ist der Zeitaufwand geringer, da dar wichtigste Teil einer solchen Versorgung, der Leisten, gut aufbewahrt wird und man sich diese gesamte Vorarbeit erspart. Sollten sich bei Nachlieferungen, durch Veränderung des Fußes, kleinere Fußprobleme ergeben, werden diese selbstverständlich am Leisten korrigiert.
 
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